Nachfertigung Zylinderkopf BMW 328

Die Historie und Gegenwart der legendären Nachfertigung des Zylinderkopfes BMW 328

„Die Legende lebt“

(Frei erweitert nach einem Artikel vor Dr. Dieter Rose, aus den Club Nachrichten 01/2004 des BMW Veteranenclub Deutschland e.V.)

Es ist soweit: Nach mehrjähriger Pause ist das berühmteste (und wohl auch begehrteste) Ersatzteil der Szene wieder als Nachfertigung erhältlich. Grund genug, ein paar Episoden aus der Zeit, in der die meisten 328er wieder laufen lernten, zu erzählen:

BMW 328 Rot

Der rote BMW 328 verschwand für mehr als 10 Jahre in der Scheune

1969 :: Die Eifelfahrt

Es war ein herrlicher Sonntagmorgen im August. Der rote 328er mit dem Kennzeichen K-P 328 sprang unter der notwendigen Zugabe von einer halben Dose Ätherspray sofort an.
Die Eifel lockte den zu diesem Zeitpunkt noch glücklichen Besitzer mit ihren kurvigen Bergstraßen, seinen wendigen und schnellen Roadster zu fordern. Opel Rekord und Ford Taunus waren eher Verkehrshindernisse als adäquate Konkurrenten auf der Fahrt, erst das Überholen eines 1800er BMWs zeigte die volle Leistungsfähigkeit der Maschine. Leider war dies der vorerst letzte Erfolg, der Wagen hüllte sich in eine weiße Wolke und der Motor starb eines kurzen und schnellen Todes.

Kenner wissen heute: Der Zylinderkopf war gerissen, Ersatz für den gerissenen Zylinderkopf für den BMW 328 war nicht zu finden und auch nicht annähernd in Sichtweite.

1976 :: Das Erwachen aus dem Dornröschenschlaf

Bereits bei Clubgründung des BMW Veteranenclub Deutschland e.V. war der Zylinderkopf BMW 328 die Nr.1 aller Ersatzteilwünsche.
Anfangs wurden die Mitglieder des frisch formierten Ersatzteil-Ausschusses jedoch nur belächelt, als sie ihrem festen Willen, nämlich einer Nachfertigung des Zylinderkopfes, Ausdruck verliehen.
Die Zahl der noch fahrbereiten 328er repräsentierte bei weitem nicht die Bedeutung dieses ehemals erfolgreichsten Sportwagens der 2 Ltr.-Klasse; die nicht fahrbereiten Exemplare des BMW 328 hatten zu jener Zeit kaum eine Perspektive aus ihren Scheunen wieder herauszukommen, da es an allen Ersatzteilen mangelte.
Der Club jedoch wollte ein „rollendes Museum“. Dies wurde zur Triebfeder, allen Schwierigkeiten zu trotzen und das vermessene Projekt „nachfertigung Zylinderkopf BMW 328“ in die Tat umzusetzen.

1979 :: „Den Schädel gieß i“

Formenbau Zylinderkopf BMW 328

Formenbau Zylinderkopf BMW 328

Diese Worte von Josef Illichmann, dem ehemaligen Rennfahrer und Chef einer renommierten Aluminiumgießerei, zauberten schlagartig ein Lächeln auf die Gesichter der anderen drei Anwesenden, die sich im Zeichen der Nachfertigung des BMW 328 Zylinderkopfes in der Dorfschänke des österreichischen Ortes Altmünster versammelt hatten.

Hans Fleischmann, der schon bei der Erstellung der Zeichnungen für die Anfertigung des Zylinderkopfes geholfen hatte, Walter Zeller, der erfolgreiche Motorradrennfahrer, der als prominente psychologische Unterstützung mitgereist war und Dieter Rose sahen den Durchbruch. Und das nach all den Absagen anderer Firmen, die, ähnlich wie die BMW AG, nach hausinterner Kostenkalkulation passen mussten oder denen das technische Risiko zu groß waren.

1980 :: Die Explosion

Bearbeitung Rohlinge Zylinderkopf BMW 328

Bearbeitung Rohlinge Zylinderkopf BMW 328

Die Erstellung des Modells und die ersten experimentellen Abgüsse des Zylinderkopfes hatten schon mehr als zwei Jahre in Anspruch genommen.
Natürlich brannte die Lösung des Problems allen Beteiligten auf den Nägeln, doch die Erwartungen erhielten einen Dämpfer: Bei Zylinderkopf-Abguss Nr. 4 kam es zu einer totalen Explosion von Guss mitsamt Form, die ein derartiges Ausmaß hatte, dass die gesamte Produktion der Firma Illichmann für drei Tage zum Stillstand kam.

Bis alles wieder gereinigt und sortiert war, stand die Firma Illichmann still, alles nur weil der Chef seinem Hobby nachging. Leider war dies nicht die letzte Explosion.

Trotz Ursachenforschung nach Abguss Nr. 4 und einigen gedachten Verbesserungen und Veränderungen, verhielten sich Zylinderkopf Nr.5 und Zylinderkopf Nr.6 genauso, nur waren diesmal entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden und die Produktion der Firma Illichmann wurde nicht weiter beeinträchtigt.

1981 :: Erste Lieferung

Mit den Güssen Nr. 14a, 15a und 16a im Gepäck erschien Dieter Rose gemeinsam mit Josef Illichmann 1980 bei der Firma Schnitzer Motorsport in Freilassing, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden.
Viele Fragen wurden nicht gestellt – nach kurzer Detailbesprechung wusste man bei der in der Bearbeitung von Zylinderköpfen versierten Firma was zu tun war.

Als 1981 die Fernfahrt unseres Clubs ihr Etappenziel München erreichte, konnte den Teilnehmern stolz der ersten Serien-Zylinderkopf präsentiert werden. Von da an ging es Schlag auf Schlag, und alle der jährlich eingehenden Bestellungen konnten geliefert werden.

BMW 328 Verteranenclub Jahrestreffen Nürburgring 1986

Jahrestreffen 1986 Nürburgring

BMW 328 Zylinderkopf erste Serie

Fertige Zylinderköpf BMW 328

Wie viele seiner Gefährten fand auch der rote BMW 328 seinen Weg aus der Scheune zurück auf die Straße.

Zu den eindrucksvollsten Erfolgen zählte, dass beim Jubiläumstreffen 1986 auf dem Nürburgring fast alle der 50 erschienenen 328er mit dem neuen Kopf fuhren – das allerwichtigste dabei, die BMWs fuhren mit den nachgefertigten Zylinderköpfen und hatte keinerlei Probleme (was den Zylinderkopf betraf).

Auch die Besitzer der 327/28 konnten sich freuen, dass sie nun wieder, statt mit 55 PS eines 327 Motors, mit den originalen 80 PS unterwegs sein konnten.

1990 :: Die Absatzkrise

BMW 328 Zylinderkopf Fehlgüsse

Fehlgüsse

Anfang 1991 blieben neue Bestellungen aus, ältere Bestellungen wurden storniert. Nur noch wenige fertige Exemplare wurden ausgeliefert. Vertragsgemäß mussten von der Gießerei noch 20 Abgüsse abgenommen werden, die wir auf Lager legten. Als Ende der 90er Jahre die Nachfrage wieder einsetzte, konnten aus den vorhandenen Rohlingen noch einige Zylinderköpfe fertig bearbeitet werden. Es zeigte sich aber, dass die letzten Rohlinge schon nicht mehr maßgerecht waren und daher nicht zur Verwertung kamen. Die Reklamation der Rohlinge erübrigte sich aufgrund der abgelaufenen Garantie genauso wie eine neue Gussserie mit dem alten Modell, das einfach seine Zeit hinter sich hatte.

2000 :: Der Neuanfang

Es wurde festgelegt, ein neues Modell entsprechend dem neuesten Stand von Modellbau und Gusstechnik herzustellen, das eine Rationalisierung bei Formbau und Guss ermöglichen sollte. Als Vorgabe galt die genaue Maßhaltigkeit für CNC-Bearbeitung. Leider ließ sich das Verhalten des Gusses beim Abkühlen nicht berechnen. Am Ende scheiterte dieser Versuch an der Finanzierbarkeit. Wieder brannte die Lösung allen Beteiligten auf den Nägeln. Bei abendfüllenden Gesprächen während des Classik Marathons 2001 wurde schließlich angeregt, ein Modell im alten Stil, ausgelegt für 20 bis 30 Abgüsse zum Teil unter Verwendung noch brauchbarer Altteile in Auftrag zu geben. Die Aussicht auf einen sicheren Erfolg ließ die Kosten für umständliches Formen und Gießen in den Hintergrund treten. Explosionen gab es diesmal nicht, trotzdem waren wie erwartet wieder 14 Probegüsse nötig.

2004 :: Lieferungen und neue Fertigunsgverfahren

Nach langer Zeit gelangen 25 Zylinderköpfe nach „tradtioneller“ Guss- und Bearbeitungstechnik hergestellt zur Fertigstellung und Auslieferung an die Oldtimerfreunde in Deutschland, England und Übersee.

Parallel zur Auslieferung der letzten im Sandgussverfahren erstellten Zylinderköpfe wurde an einer neuen Fertigungsmethode gearbeitet. Die Firma Illichmann in Altmünster, Österreich, hatte sich zu einem Prototypenhersteller gewandelt. Die Zeiten des Sandgusses waren dort endgültig vorbei.

Es folgte eine Reihe von Besichtigungen modernster Gießereien und Bearbeitungsfirmen, die z.T. in der Formel 1 tätig waren und ein weiteres Standbein im Oldtimersektor suchten. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wären alle diese Firmen in der Lage gewesen, den 328er Zylinderkopf herzustellen. Nur wollte man bei der Ausgestaltung der Abgüsse eigene Wege gehen und nicht unbedingt unseren Vorstellungen folgen. Ausgangspunkt für uns war jedoch die bewährte Ausführung mit Verstärkungen an den bei vor 1940 hergestellten Köpfen bekannten Bruchstellen. Mit der Preisgestaltung kamen wir letztendlich dann auch nicht zurecht.

Im Oktober 2004 reiste unser Team nach Österreich und erzielte den Durchbruch bei einem Besuch unserer langjährigen Gießerei Illichmann. Ing. Christoph Lesterl, dort jetzt für uns zuständig, schlug vor „Nägel mit Köpfen“ zu machen: Erstellung einer 3D Zeichnung und Fertigung des Modells mit modernster Lasertechnik sowie Präzisionsguss nach neuesten Vorgaben in enger Anlehnung an die äußere Form des Originalteils.

Aus heutiger Sicht (Februar 2014) war dies das letzte Aufblühen jener Firma, die zahlreiche Patente erarbeitet hatte. Zugute kamen uns die langjährigen Erfahrungen mit diesem Gussteil. Die notwendigen unterschiedlichen Wandstärken waren ebenso bekannt wie die Aluminiumlegierung, die sich seit 1979 bewährt hatte.
Bereits die ersten Probegüsse stimmten. Es wurden zunächst nach Kundenwunsch einige Rennversionen hergestellt und geliefert, später folgte eine Kleinserie von 10 Exemplaren. Die Bearbeitung beließen wir weiterhin in den Händen von Schnitzer Motorsport in Freilassing.

2008 :: Fertigstellung der neuen Serie

Die ersten Zylinderköpfe die im neuen Gussverfahren hergestellt wurden konnten geliefert werden. Ein Vorteil der modernen Fertigungstechnik besteht darin, dass Änderungen wesentlich leichter verwirklicht werden können. So lag es auf der Hand, auch Bristol Zylinderköpfe herzustellen

2011 :: Ende einer langen und erfolgreichen Zusammenarbeit

Bristol 85 und 100 Zylinderköpfe wurden parallel mit einer Charge BMW 328 Zylinderköpfen ausgeliefert. Firmeninhaber Herbert Schnitzer übergab uns zusammen mit Meister Dieter Schreiber, der die Bearbeitung leitete, die letzte Serie aus dem Hause Schnitzer Motorsport. Die Abteilung für die Fertigung bei Schnitzer Motorsport wurde leider geschlossen. Die zum Teil „hochgezüchteten“ letzten Zylinderköpfe aus der Tuning-Abteilung von Schnitzer fanden einen reißenden Absatz.

Da schon längere Zeit feststand, dass die Firma Schnitzer Motorport für die Zukunft nicht mehr zu Verfügung stand, wurde sich rechtzeitig nach einem neuen  renomierten Betrieb für die Bearbeitung unserer Zylinderköpfe für den BMW 328 umgesehen.

Es lag nahe, sich für den mit der Gießerei Illichmann zusammenarbeitenden Betrieb RWT GmbH, Hornegger & Thor in Österreich zu entscheiden.
Wenn schon die modernste Gusstechnik angewandt wurde, so kam jetzt auch die Bearbeitung auf CNC Maschinen zum Einsatz. Drei, noch bei Illichmann gegossene Zylinderköpfe BMW 328, wurden perfekt gefertigt. Die neuen Besitzer der Zylinderköpfe konnte diese ohne Probleme in Ihren Fahrzeugen verwenden.

2012 :: Das nächste Ende

Die schon seit mehreren Jahren um Ihre Existenz kämpfende und mehrfach den Besitzer wechselnde Gießerei Illichmann, wurde erneut von einen anderen Unternehmen „übernommen“. Ein Unternehmen aus Indien hatte die Firma aufgekauft, insbesondere die Patente und Maschinen und das Werk leergeräumt.

Leider auch die eigentlich uns gehörenden und nur dort lagernden Teile, Modelle und Dateien. Für uns als GmbH die mit großen emotionalen und persönlichen Engagement die Fertigung der „Clubköpfe“ wieder auf den Weg gebracht hatte, entstand ein herber finanzieller Verlust. Weitere Probleme bereiteten seit einigen Jahren die „neuen“ Zylinderkopf-Modelle anderer Anbieter, die inzwischen in Fernost oder unseren Nachbarländer gefertigt und teilweise als deutsche „Qualitätsware“ angeboten wurden und werden.

2013 :: Qualität zahlt sich aus

Übergabe Zylinderkopf BMW 328

Übergabe Zylinderkopf BMW 328

Durch den geringen Lagerbestand fertiger Zylinderköpfe und der Rückmeldung unsere langjährigen Partner, Freunde und Kunden, die allesamt von diversen Problemen mit den „neuen“ Zylinderkopfmodellen der anderen Anbieter berichteten, war es an der Zeit eine neue Gießerei zu finden.

Durch den Kontakt und die Zusammenarbeit unseres Partners RWT, wurden wir Kunden der Firma BEGALOM in Scharnstein, Österreich.
Durch die schon bestehende enge Zusammmenarbeit von RWT und BEGALOM bei anderen Projekten, wurde auch unsere erste Serie der mittlerweilen dritten Evolution unseres Zylinderkopfes perfekt.

2014 :: Die „Clubköpfe“ leben immer weiter

Unsere in der Oldtimerszene als „Clubköpfe“ bekannten Zylinderköpfe laufen seit Jahren ohne größere Probleme. Was man von diversen anderen Modellen anderer Anbieter leider nicht sagen kann. In den letzten Jahren wurden wir immer wieder für die Qualität und Fehlfunktionen einiger dieser anderen Zylinderköpfe kritisiert. Deswegen möchte wir hier erstmals öffentlich klarstellen, daß unser Zylinderkopf – der Clubkopf – nichts mit den Zylinderköpfen anderer Anbieter zu tun hat. Auch an der Entwicklung dieser Modelle waren, sind und werden wir nicht beteiligt sein. Wir investieren unsere Erfahrung und Wissen und das Know-How aus Jahrzehnten in unsere eigenen, seit den 80er Jahren erfolgreich verbauten Zylinderköpfe.

Seit Beginn der Fertigung im Jahre 1980 sind unsere „Clubköpfe“ wie sie gerne in Fachkreisen genannt werden, weltweit  auch im historischen Rennsport ohne Probleme im Einsatz. Die meisten der dort siegreichen BMW 328 sind mit unseren Zylinderköpfen bestückt.

Wir liefern unsere Zylinderköpfe inkl. montierten Ventilen, Federn, Kipphebelwellenböckchen und Stehbolzen.

Unsere Zylinderköpfe sind ab Lager lieferbar. Mehr Info dazu auf der Ersatzteil-Seite: Zylinderkopf BMW 328.

Wir hoffen auch in den nächsten Jahre noch viele „Clubköpfe“ an den Mann zu bringen. Nichts gegen Nachfertigungen von Nachfertigungen, aber das Original der Nachfertigung ist immer noch unerreicht und auch unser Kopf wird mit jeder neuen Entwicklunsgstufe weiter optimiert. Bei Fragen zu unseren Zylinderköpfen oder zu den konkreten Ersatzteilen im Allgemeinen können Sie sich gerne über die Kontakt-Seite an uns wenden.